Familienunternehmen prägen die wirtschaftliche Landschaft in Deutschland. Gut 75% aller Unternehmen sind diesem Unternehmenstyp zuzuordnen. Sie leisten einen herausragenden Beitrag zum Wohlstand sowie zur Zukunftssicherung unserer Gesellschaft. Ihre Werte-Orientierung und ihre Verpflichtung auf Tradition und Innovation erfüllen wichtige Funktionen für die Entwicklung und Gestaltung wirtschaftspolitischer Kultur im Zeitalter der Globalisierung. Die besonderen Qualitäten, über die diese Unternehmensform mit der Familie als Ressource verfügt, und die besonderen Herausforderungen, die sich aus dem Zusammenspiel zwischen familiären Dynamiken und unternehmerischen Faktoren ergeben, waren lange in der Forschung unterrepräsentiert.
Das WIFU wurde 1998 durch eine Anschubfinanzierung der Deutschen Bank AG als deutschlandweit erstes universitäres Kompetenz- und Forschungszentrum für Familienunternehmen gegründet. Das Institut hat sich zum Ziel gesetzt, die Chancen und spezifischen Risiken dieser Unternehmensform näher zu beleuchten, einen substanziellen Beitrag in Theoriebildung, Forschung, Lehre und Weiterbildung zu leisten und mit zahlreichen Aktivitäten die Zukunftsfähigkeit der Familienunternehmen zu stärken. Seit 2005 wird das WIFU von Familienunternehmen finanziert und getragen.
Das Leistungsspektrum des Instituts ist eng verknüpft mit dem Motto „Ein Institut von Familienunternehmen für Familienunternehmen“. In Forschung, Lehre und Öffentlichkeitsarbeit werden die Chancen und Risiken von Familienunternehmen theoretisch reflektiert, empirisch untersucht und vor allem praxisnah aufbereitet. Das Leistungsspektrum umfasst im einzelnen:
Forschung:
Das Themenspektrum der Forschungsarbeiten ist breit. Es umfasst: Fragen der Nachfolgeregelung, Corporate Governance und Family Governance, Gesellschafterkonstellationen und Gesellschafterkonflikte, Krisendynamiken und Krisenmanagementansätze, Besonderheiten langlebiger Familienunternehmen, Chancen und Risiken der Eigentümerführung, Finanzierung, Führung etc.
Neben konkreten Forschungsprojekten werden zahlreiche Doktor- und Diplomarbeiten zu diesen Fragestellungen betreut.
Lehre:
Ein spezifisches Lehrangebot sensibilisiert die Studierenden für die Besonderheiten von Familienunternehmen. Die interdisziplinäre Ausrichtung des WIFU stellt dabei eine große Bandbreite des Angebotes sicher.
Publikationen, Öffentlichkeitsarbeit und Fachveranstaltungen:
Weit über 100 Fachpublikationen sind bisher aus dem WIFU hervorgegangen, die Vertreter des WIFU sind durch Vorträge und Seminare bei den verschiedensten Gelegenheiten präsent. Artikel, Interviews und Kommentare in der Tagespresse, im Rundfunk und im Fernsehen sorgen zudem kontinuierlich dafür, dass das Thema „Familienunternehmen“ in der Öffentlichkeit präsent bleibt.
Darüber hinaus wird eine große Zahl unterschiedlicher Veranstaltungen unseres Institutes (Forum Familienunternehmen, Vortragsveranstaltungen und Gastvorträge) angeboten und wahrgenommen.
Der Wittener Kongress für Familienunternehmen:
Jährlich durchgeführt seit 1998 stellt er eine im deutschsprachigen Raum einzigartige Plattform für Wissensvermittlung und Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmern und Wissenschaftlern dar. Sein Besuch ist inzwischen für viele zu einer festen Tradition geworden. Jedes Jahr aufs Neue begleitet und unterstützt das WIFU das jeweilige studentische Organisationsteam inhaltlich und konzeptionell.
Familienunternehmen sind:
1. anders –
Sie sind definiert über den bestimmenden Einfluss einer Familie auf die Entwicklung des Unternehmens. Aus diesem Einfluss (und nicht aus der Unternehmensgröße) erwachsen die Eigenarten dieses Unternehmenstyps.
2. erfolgreicher –
Denn sie haben eine Familie an ihrer Seite! Vertrauen, Bindung und Loyalität bieten dem Familienunternehmen enorme Wettbewerbsvorteile. Es muss gelingen, die Familie als Ressource im Dienste des Unternehmens zu nutzen. Im Zweifelsfall gilt: „Das Unternehmen geht vor!“
3. gefährdeter –
Denn sie haben eine Familie an ihrer Seite! Familienstreitigkeiten, Vertrauensverlust, enttäuschte Bindungen und Gefühle verratener Loyalität können dramatisch auf das Unternehmen durchschlagen, das Unternehmen kann zum Opfer von Stammeskriegen werden. Die Gleichzeitigkeit der Mitgliedschaft in der Familie und im Unternehmen setzt die Beteiligten einem Spannungsfeld aus, das von Widersprüchen gekennzeichnet ist und sie so verletzlich macht.
4. (potentiell) intelligenter –
Leichter als börsennotierte Konzerne können sie sich frei machen von einer unternehmerisch oft schädlichen Logik kurzfristiger Gewinnorientierung. Auch können sie sich breit diversifiziert positionieren – ein Umstand, für den börsennotierte Unternehmungen einen Kursabschlag erhalten, obgleich er die langfristige Überlebenswahrscheinlichkeit erhöht.
5. finanziell anders aufgestellt –
Familienunternehmen sind vorsichtiger in der Inanspruchnahme von fremdem Eigenkapital und stärker an finanzieller Eigenständigkeit interessiert, weil sie vom Prinzip her nach unternehmerischer Autonomie streben. Die aktuellen Rahmenbedingungen im Bankensystem (Basel II) erschweren es zudem, die klassischen Möglichkeiten des Firmenkredits voll auszuschöpfen.
6. langfristiger orientiert –
Sie halten (länger) fest an ihren Gründungsmythen, bewährten Geschäftsprinzipien, gewachsenen Kunden- und Lieferantenbeziehungen und vor allen an ihren Mitarbeitern, was sich positiv auf die Entwicklung von Kernkompetenzen und Vertrauensressourcen auswirkt. Dieses Festhalten kann es zugleich schwerer machen, flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren.
7. beratungsresistenter –
Familien achten auf ihre Grenzen – und genauso wie sie sich im Privatbereich Fremden nicht bereitwillig öffnen, gehen sie auch in unternehmerischen Fragen davon aus, dass Probleme innerhalb der Familie gelöst werden sollten. Dies erklärt durchaus zum Großteil ihren Erfolg, doch hat auch diese Haltung ihre „Risiken und Nebenwirkungen“, nämlich dann, wenn durch externe Beratung neue Möglichkeiten eröffnet werden könnten.
8. familiärer –
Sie übertragen familiäre Beziehungsmuster auf Führungskräfte und Mitarbeiter. So erfährt deren Tätigkeit eine höhere Sinnstiftung, auch die Identifikation mit dem Unternehmen wird gesteigert: Man gehört dazu! Von diesen „emotionalen Zusatzausschüttungen“ profitieren Unternehmen wie Mitarbeiter.
9. unternehmerischer –
Ein besonderer Gestaltungswille, das Streben etwas Dauerhaftes zu schaffen, die Orientierung am Kunden und die Bereitschaft, Risiken einzugehen, prägen das Familienunternehmen. Je kleiner das Familienunternehmen ist, desto eher hängt dessen Entwicklung von der Führungsstärke, Innovationskraft und unternehmerischen Weitsicht einer einzigen Person ab – mit allen Vor- und Nachteilen: kurze Entscheidungswege, aber auch starke Umbrüche im Nachfolgeprozess oder beim plötzlichen Ausfall der prägenden Führungspersönlichkeit.
10. langlebiger –
Familienunternehmen weisen eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit und Langlebigkeit auf. Sie sind ein Erfolgsmodell, solange sie in der Lage sind, die Paradoxien zu managen, die sich aus der Kopplung von Familie und Unternehmen ergeben. Immer wieder gilt es, eine Balance zu finden, so dass nicht einseitig Familien- oder Unternehmensinteressen bedient werden. Gelingt die Balance zwischen beiden, kommen die einzigartigen Ressourcen dieser Unternehmensform voll zum Tragen.